Homöopathie

Was ist Homöopathie?

Schon die alten Griechen kannten diese Form der Heilkunst. Durch ein Mittel, das beim Gesunden die Symptome auslösen kann, die der Patient hat werden die Selbstheilungskräfte gegen diese Symptome angeregt.

In den letzten 200 Jahren wurden bereits ca. 4000 tierische, pflanzliche und mineralische Mittel genau geprüft.

Interessant ist, dass nicht nur körperliche, sondern auch geistige, seelische und emotionale Störungen gebessert werden können.

Homöopathie ist ein Begriff, der häufig sehr unklar gebraucht wird. Oft werden pflanzliche Arzneimittel als homöopathisch bezeichnet, obwohl sie es nicht sind. Es soll damit impliziert werden, sie seien harmlos und hätten keine Nebenwirkungen.

Warum nutzen wir Homöopathie?

Mit Hilfe der normalen Schulmedizin können wir die meisten Krankheiten gut behandeln. Es gibt aber chronische Krankheiten, bei denen zwar eine Linderung der Beschwerden, aber keine zufriedenstellende Ausheilung gelingt. Manchmal kommen wir mit schulmedizinischen Möglichkeiten nicht an die Ursachen der Erkrankung heran.

Hier haben wir mit der Homöopathie eine zusätzliche Chance, krankhafte Zustände auszuheilen.

Auch z. B. bei Entwicklungsverzögerungen, Verletzungsfolgen, Traumen, Autismus oder Verhaltensstörungen kann Homöopathie hilfreich sein.

Wie läuft die Behandlung ab?

Eine homöopathische Behandlung ist immer sehr individuell. Um den Patienten kennenzulernen muss der homöopathische Arzt eine genaue Anamnese erheben. Er muss die Eigenarten und Besonderheiten kennenlernen, die Symptome genau erfassen, geistige, seelische und körperliche Befindlichkeiten und Veränderungen wahrnehmen, Stressfaktoren oder Ursachen zu erkennen etc. Dazu gehört eine sogenannte Erstanamnese, die in der Regel mindestens eine Stunde dauert.

Dann werden die erhobenen Befunde „ausgewertet“, d.h. der Homöopath macht sich ein möglichst genaues Bild und versucht, die Arznei zu finden, die am besten zu der Situation und den zu behandelnden Symptomen passt.

Dann wird das Medikament verschrieben und einmal von dem Patienten eingenommen.

Die Veränderungen der Symptomatik sollte möglichst genau beobachtet werden. Wenn das Mittel genau zu dem Patienten passt, erfolgt recht schnell eine Reaktion. Idealerweise fühlt er sich besser und alle Symptome bessern sich. Gelegentlich kann es auch zu einer sogenannten Erstreaktion kommen, bei der die Symptome sich nach der Einnahme kurzzeitig verschlimmern, um danach deutlich besser zu werden.

Wichtig ist, in engem Kontakt mit dem Homöopathen zu bleiben, um die Reaktionen einordnen und ggf. darauf reagieren zu können.

Gelegentlich gelingt es nicht, bei der ersten Verschreibung das exakt passende Mittel (= Similimum ) zu finden. Dann verändern sich manchmal die Symptome, verschwinden aber nicht. Sie sollen sich nicht scheuen, das mit dem Homöopathen zu besprechen, der dann die Mittelfindung noch einmal überdenken wird und versuchen wird, neue Aspekte mit einzubeziehen.

Was kostet die homöopathische Behandlung?

Mit vielen gesetzlichen Krankenkassen haben wir sogenannte Verträge zur „Integrierten Versorgung“, d.h. nach Anmeldung oder Beantragung bei der Krankenkasse werden alle Kosten übernommen. Voraussetzung dafür ist eine Kassenarztpraxis und ein Arzt mit Facharztausbildung, Zusatzbezeichnung Homöopathie und dem Homöopathie-Diplom des Zentralvereins homöopathischer Ärzte, das durch regelmäßige Weiterbildungen immer wieder erneuert werden muss.

Einige Krankenkassen sind nicht an diese Verträge angeschlossen, erstatten aber einen Teil der Rechnungen, die nach der Gebührenordnung für Ärzte gestellt werden (für Erstanamnese mit Mittelfindung ca. 120 Euro). Es lohnt sich also, bei der eigenen Krankenkasse anzufragen.

Ist die Wirksamkeit der Homöopathie wissenschaftlich erwiesen?

Es gibt viele wissenschaftliche Studien zur Homöopathie, die unterschiedlich ausfallen. Es ist schwierig, Arzneimittelstudien nach schulmedizinischen Regeln zu werten, da die Wirkung der Homöopathie gerade darauf beruht, dass jeder Mensch unterschiedlich ist und ein eigenes individuelles Heilmittel braucht, auch wenn er an der schulmedizinisch gesehen „gleichen“ Krankheit leidet wie ein anderer Patient. Es gibt aber Studien, in denen unterschieden wird zwischen „homöopathisch behandelt“ und „nicht homöopathisch behandelt“, die durchaus positiv für die Wirkung der Homöopathie ausfallen.

Einige bewährte homöopathische Mittel wurden in die Schulmedizin übernommen und erfolgreich therapeutisch eingesetzt oder bei schulmedizinisch bewährten Mittel kann man davon ausgehen, dass sie auf homöopathischer Wirkung beruhen (z.B. Chinin bei Malaria, Lithium bei Depressionen oder Gold bei Rheuma).

Krankenkassen haben in großen Studien festgestellt, dass homöopathisch behandelte Patienten weniger Antibiotika, Asthmamittel oder Allergiemittel benötigen, weniger häufig arbeitsunfähig sind und weniger oft in Krankenhäuser eingewiesen werden. (siehe z. B. https://www.securvita.de/fileadmin/inhalt/dokumente/auszuege_SECURVITAL/202004/securvital_0420_6-11.pdf )

Für die Krankenkassen sind homöopathisch behandelte Patienten also billiger als andere, was der Grund dafür ist, dass trotz der Versuche von Politik und Ärztekammern, die Homöopathie abzuschaffen, viele Krankenkassen sie noch bezahlen.

Homöopathischer Arzt oder Heilpraktiker

Neben den ärztlichen Homöopathen gibt es Heilpraktiker, die homöopathisch arbeiten. Bei diesen ist der Begriff gesetzlich nicht geschützt, d.h. dass es keine einheitlichen Ausbildungsgänge oder verpflichtende Standards gibt.

Für Ärzte war die Homöopathie bisher eine in der Weiterbildung der Ärztekammern verankerte Facharzt- Weiterbildung. Voraussetzung ist eine Facharzt-Ausbildung z.B. in Allgemeinmedizin, Kinderheilkunde o.a. und zusätzlich eine festgelegte Anzahl an homöopathischen Weiterbildungsstunden und eine Prüfung vor der Ärztekammer.

Darüber hinaus verlangt der Zentralverein homöopathischer Ärzte weitere Kurse und Stunden zur Erlangung des Homöopathie-Diploms, um die Qualifikation homöopathischer Ärzte weiter zu verbessern.

Im Jahr 2020 wurde Homöopathie in einigen Ärztekammern auf politischen Druck hin aus der Weiterbildung gestrichen. Das ist problematisch, da es für die Patienten von Vorteil sein kann, wenn der behandelnde Homöopath ein Arzt ist, der auch über den gesamten Hintergrund der Schulmedizin verfügt und erkennt, wenn ein Krankheitsbild vorliegt, das zusätzlich schulmedizinisch behandelt werden muss, um Schaden von dem Patienten abzuwenden.

Die hohen Standards der ärztlichen Homöopathie werden zwar durch den Zentralverein homöopathischer Ärzte weiterhin aufrecht erhalten, aber durch die fehlende Anerkennung in den Ärztekammern wird der Anreiz, diese spannende Medizin zu erlernen, reduziert und es ist fraglich, wie lange die ärztliche Homöopathie noch erhalten bleiben wird.

Längerfristig ist politisch geplant, Homöopathie auch aus den Leistungskatalogen der Krankenkassen zu streichen.

Der Mensch als einzigartige Person steht im Mittelpunkt

Für mich ist es immer wieder spannend und beglückend, jeden Patienten mit seinen Eigenarten kennenzulernen. Jeder Mensch lebt in einer von bestimmten Faktoren beeinflussten Umgebung und reagiert in einzigartiger Weise auf seine Umwelt. Individuell zu erfassen, was diesen einzigartigen Menschen ausmacht und wie man ihm helfen kann, zu seiner Mitte zu finden und gesund zu werden ist eine wunderbare Aufgabe.

Manchmal ist es sehr schwierig, bei der Fülle der Mittel, die es gibt, das Richtige herauszufinden und es gelingt nicht immer gleich schnell oder gut. Oft ist eine umfangreiche Recherche notwendig, seltene oder neu geprüfte Mittel müssen kennengelernt werden oder in einer Supervisionsgruppe wird über die Mittelwahl diskutiert.

Oft gelingt nach mehreren Mitteln endlich der erhoffte Durchbruch und dem Patienten geht es besser. Wenn das richtige Mittel gefunden ist muss noch die passende Verdünnungsstufe gefunden werden, um auch langfristig eine Ausheilung zu erreichen.

Nicht immer ist es nur ein Mittel, das alle Symptome beseitigt, sondern oft braucht ein Mensch mehrere Mittel, vor allem, wenn verschiedene Belastungen, Impfungen oder Verletzungen vorliegen.

Trotz oder gerade wegen dieser Schwierigkeiten ist es jedes Mal eine Herausforderung, einen Menschen homöopathisch behandeln zu dürfen. Ich bin mir der großen Verantwortung bewusst und freue mich, wenn Sie mir Ihr Vertrauen schenken.

Literaturempfehlung

Homöopathie pocket, Almut Brandl, ISBN 3-89862-703-9

Dieses kleine Handbuch beschreibt eine Reihe homöopathischer Mittel und ihre Anwendung und enthält eine Empfehlung zum Nachlesen eventuell geeigneter Mittel bei bestimmten Krankheitsbildern.

Dr. Renata von Bonin

  • geboren 1965 in Bonn
  • Fachärztin für Allgemeinmedizin
  • 2005-2008 Weiterbildung Homöopathie
  • Diplom des Deutschen Zentralverbands homöopathischer Ärzte
  • seit April 2012 in unserer Praxis tätig